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Volksfeste

Accettura:
Maifest

 
 

An den bis heute erhalten geblieben traditionellen Festen der Basilicata bzw. Lukaniens, nimmt jeweils das ganze Dorf teil und auch viele Besucher beteiligen sich aus kulturellem und religiösem Interesse oder einfach aus Neugier. Meistens werden ländliche Themen aus der Landwirtschaft und der Viehzucht berührt. Das Fest der "Madonna della Bruna" findet zur Erntezeit statt. Berühmt auch die "Mai-Feste" (Mai-Fest von Accettura und das Baum-Fest Pitu von Rotonda) - gefeierte Danksagungen für die Fruchtbarkeit und den Reichtum der Erde. Das große Volks-Fest in San Mauro Forte findet am 16. Januar, am Vorabend des Hl. Antonio Abate, statt und leitet den Karneval ein. Die Leittiere der Rinderherden tragen während des Umzugs durch die Straßen des Dorfes große Glocken mit dumpfem Klang. Der tiefe Ton der Kuhglocken befreit vom alten landwirtschaftlichen Jahr und ruft ein neues Jahr, das wider voller guter Erwartungen beginnt; gefeiert werden das Ende der Unfruchtbarkeit und die Rückkehr zur Fruchtbarkeit.


Das Fest der "Madonna della Bruna" in Matera

ist eines der größten und wohl auch wichtigsten Feste an dem man während eines Aufenthaltes in der Basilicata teilnehmen kann. Es ist tief in den Herzen der Materaner verwurzelt und auch viele Gläubige aus dem Umland nehmen daran teil. Eine Legende erzählt, dass ein Bauer während der Erntezeit bei der Rückkehr von seinen Feldern mit seinem großen Wagen auf eine schlecht gekleidete Frau traf. Sie bat ihn in die Stadt mitgenommen zu werden. Auf dieser alte Sage beruht der große von acht Maultieren gezogene Wagen, der im Laufe der Zeit immer schöner mit lebendigen Farben, wunderschönen Verzierungen und Statuen aus Pappmaché geschmückt wurde und auf dem die "schöne Frau" durch Matera gezogen wird. Der Wagen ist ein Symbol des Festes. Seit dem Jahr 1389 werden die Festlichkeiten zu Ehren der Hl. Maria della Bruna von den Einwohnern Materas abgehalten. Immer im Morgengrauen des 2. Juli begeben sich die Materaner zur Kathedrale von wo aus die "Prozession der Schäfer" beginnt. Sie folgen der Madonna unter dem Lärm eines Feuerwerk durch die Straßen. Am Nachmittag beginnt die "Prozession der Bauern". Reiter in mittelalterlichen Kostümen begleiten dann die Madonna auf ihrem geschmückten Wagen durch die Altstadt zurück zur Kathedrale. Zum Ende der Feierlichkeiten zerstört der Ansturm der begeisterten Menge auf der Piazza Vittorio Veneto den Prachtwagen. Mit Einbruch der Nacht schließt das Fest mit einem Feuerwerk, welches den Himmel über den Sassi und die umliegende Murgia herrlich erleuchtet.


Die "Hochzeit" zweier Bäume

Jedes Jahr findet um Pfingsten in Accettura ein antiker Brauch statt, eine Mischung aus heiligem und heidnischem Brauchtum. Das Fest beginnt an Himmelfahrt. An diesem Tag begeben sich die Wald-arbeiter in den nahen Wald von Montepiano. Hier wird dann der höchste, schönste und geradeste Baum geschlagen, der "Maibaum". Am Pfingstsonntag gehen die Bauern in den nahe gelegenen Wald von Gallipoli-Cognato. Hier suchen sie die schönste "Krone" einer Stechpalme aus, die sich mit dem "Maibaum" verheiraten soll. Der "Maibaum" wird von Ochsen gezogen während die "Krone" auf den Schultern der Bauern getragen wird um sie nicht zu beschädigen. Sobald die beiden Teile im Ort ankommen sind, werden sie mit großer Freude und musikalischer Untermalung begrüßt. Auch Wein und typische Agrarprodukte aus der Region gehören zur Begrüßung und werden quasi "als Opfer" dargebracht. Am Dienstag nach Pfingsten wird die "Hochzeit" zwischen dem Maibaum und der Krone gefeiert. Das Volksfest endet mit Wettbewerben zwischen verschiedenen Gruppen von Jägern. Diese schießen auf Metallplaketten, die zwischen den Ästen des "Maibaumes" befestigt wurden. Abschließend wird der "Maibaum" noch erklommen. Derjenige, der die Spitze erreicht, ist für diesen Tag der Held des Ortes. Bevor er jedoch wieder hinabsteigt, lässt er sich für einige Minuten in luftiger Höhe mit dem Kopf nach unten hinabhängen und von der Menge bewundern. Dieser Baumkult ist auch heute noch in einigen Bergdörfern des lukanischen Hinterlandes weit verbreitet. In Rotonda z.B. gibt es am 13. Juni ein Fest wo das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur dargestellt wird. Im Morgengrauen des 9. Juni gehen die Einwohner des Ortes auf die Berge um ungefähr 50 mittelgroße Bäume zu schlagen. Beim Abtransport ins Dorf werden hin und wieder Schüsse abgegeben, damit die Bewohner im Dorf wissen wo sich der Zug gerade befindet. Die kleineren Bäume werden am Ortseingang gelagert. Am 13. Juni zieht dann endlich der größte Baumstamm ein, "Pitu" genannt, welcher von den Lokalautoritäten und vom Bischof begrüßt wird bevor er von vielen Armen aufgestellt wird.


Fasching und Karneval

Für die einheimische bäuerliche Bevölkerung zieht mit der Karnevalszeit der Frühling ein. Die Wiedergeburt und das Wiedererblühen der Natur werden durch alte Karnevalsbräuche gefeiert. Schon in der Antike glaubte man, dass sich im Dunkeln unter der Erde die unterirdischen Götter verstecken, die Dämonen, die mit ihrer Kraft dafür sorgten ob die Ernte gut oder schlecht ausfiel. Auf diesen Aberglauben geht der Brauch der dämonischen Masken zurück. In Tricario beginnt der Karneval mit dem 17. Januar, Tag des Hl. Antonio Abate, Beschützer der Tiere. Die Masken stellen eine Herde dar, welche vom Bauern, einem Knecht und drei Kuhhirten angeführt wird. Die Menschen verkleiden sich als Stiere und Kühe und unter Glockengeläut erinnern sie so an den Almauftrieb der Tiere. Zu diesen Masken gesellen sich auch noch der "fette Dienstag", der Graf und die Gräfin, Herr Karneval, Frau Fastenzeit und ihr Gemahl. In Cirigliano feiert man am Abend des letzten Sonntags der Fastenzeit das Ende des Karnevals. Auf dem Dorfplatz werden die Monate und Jahreszeiten bildlich nachgestellt. Mit diesem kultischen Brauch wird die schwere Arbeit der Bauern gewürdigt. Die 12 Figuren, welche die Monate darstellen, sind mit den traditionellen Kostümen der Gegend bekleidet und tragen die Symbole und Werkzeuge, welche sich auf die klimatischen Arbeitsbedingungen eines jeden Monats beziehen. Die Jahreszeiten werden von vier Mädchen dargestellt.


Die Prozession der Mysterien

Jedes Jahr wird in Barile, einem Dorf in der Gegend des Vulture, die Passion Christi während einer Prozession von Laienschauspielern dargestellt. Angeblich hat ein gewisser Cefola die Prozession vor 150 Jahren eingeführt. Cefola war Küster von Barile und hat den Brauch aus dem Ort Genzano di Lucania abgeguckt. Das Besondere an dieser Prozession ist, dass alle Bewohner des Dorfes gemeinsam daran teilnehmen. Allesamt fühlen sich als Schauspieler und wirken direkt am Drama mit. Die Mystik und der geheimnisvolle Zauber von soviel echtem Glauben sind einfach ergreifend.

 
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